Normandie

Von Saint-Valéry-en-Coux über Fécamp, Étretat, Honfleur, Caen, Bayeux, Barfleur, Valognes, Coutances und Granville bis zum Mont-Saint-Michel.

Oktober 2021

Die Normandie ist eine Region im Norden Frankreichs. An der abwechslungsreichen Küste liegen weiße Kalkfelsen und bedeutende Brückenköpfe aus dem 2. Weltkrieg – etwa Omaha Beach, Schauplatz der Landung der Alliierten am D-Day. Einiges davon werden wir uns in den nächsten Tagen ansehen. Unmittelbar vor der Küste befindet sich die Felseninsel Mont-Saint-Michel, auf deren Spitze die gleichnamige gotische Abtei thront. Das werden wir uns auf keinen Fall entgehen lassen. 

Nun sind wir in Saint-Valery-en-Caux, es ist eine französische Gemeinde mit knapp 4.000 Einwohnern im Département Seine-Maritime in der Region Normandie. Sie liegt an der Alabasterküste, einem Teil der französischen Ärmelkanalküste. Sie ist Hauptstadt des Pays de Caux Hauptort des gleichnamigen Kantons.

In Saint-Valery-en-Caux stehen wir heute Abend mit einer schönen Aussicht unterhalb der Kreidefelsen direkt am Wasser, aber es ist recht windig.

Obwohl Frankreich 14 Atomkraftwerke schließt und künftig auf erneuerbare Energien setzt, gibt es aktuell noch 56 Kernreaktoren. Alle sind bestens abgeschirmt, wie hier in Paluel.

Schön anzuschauen sind die französischen Fachwerkhäuser auf jeden Fall, doch sie unterscheiden sich sehr von den niedersächsischen Fachwerkhäusern unserer Heimat.

In den ersten Tagen an der französischen Küste halten wir uns zwischen Dieppe und Le Havre auf.

1942 wurde das Kap Fagnet in Erwartung einer Alliierten Invasion von den deutschen Besatzern mit Bunkern als Teil des Atlantikwalls befestigt. Das Kap ist mit 110 m Höhe der höchste Punkt der Alabastaküste. Der Leitstand der Radarstation Würzburg und mehrere kleinere Bunker befinden sich heute auf dem Kap. Auffallend sind drei große Betonsockel, die eine 300 km weit reichende Radaranlage des Typs Mammut tragen sollten. Diese wurde jedoch nicht mehr in Betrieb genommen, da sich die deutschen Truppen im August 1944 zurückziehen mussten.

Bunkeranlage am Kap Fagnet in der Nähe von Fécamp.

Étretat liegt auf Meereshöhe direkt am Ärmelkanal in einer der wenigen Talöffnungen in der 120 km langen Steilküste zwischen Dieppe und Le Havre, die wegen ihrer hellen Färbung Alabasterküste genannt wird. Der Tidenhub ist, wie überall in der Normandie, beträchtlich. Die Klippen von Étretat entstanden in der Oberkreide. Sie bestehen im Wesentlichen aus weißer Kreide und aus Feuerstein. Andere Mineralien, die an der Küste der östlichen Normandie häufig sind, kommen bei Étretat nicht vor. Man findet dort weder den Sandstein, der im Norden des Départements in der Gegend von Dieppe auftritt, noch den gelblichen Oolith aus der Gegend von Caen.

Die Klippen bei Étretat sind echt sehenswert, gerade bei diesem Licht, doch der Fußmarsch dorthin ist beschwerlich.

Am Strand „Plage de Saint-Jouin-Bruneval“ sehen wir den Kitesurfern zu.

Es ist 19:35 Uhr und die Sonne versinkt rot im Meer. Gute Nacht für heute.

Die Pont de Normandie ist eine Schrägseilbrücke, die mit 856 m die größte Spannweite in Europa besitzt. Sie überquert die Seinemündung und verbindet Le Havre auf dem rechten Ufer im Norden mit Honfleur auf dem linken Ufer im Süden. Die Brücke wurde in den Jahren 1988 bis 1994 gebaut und am 20. Januar 1995 eingeweiht. Sie hat eine beeindruckende Pfeilerhöhe von 215 m. Bei strahlendem Sonnenschein überqueren wir die Seine und zahlen für die Brückenbenutzung 7,00 Euro.

Die Brücke Pont de Normandie ist ein technisches Meisterwerk und echt beeindruckend.

Inzwischen sind wir meist in Küstennähe auf dem Abschnitt zwischen Le Havre und St. Malo unterwegs.

In Honfleur essen wir ausgezeichnet zu Mittag, natürlich Fisch, und unternehmen danach einen kleinen Stadtbummel.

Auf unserem mobilen Netzwerk mit der 100 GB-Karte haben wir alle unsere Geräte angemeldet. Dank des stets vorhandenem 4G-Netzes (LTE) surfen wir wie zu Hause.

Abends finden wir bei einem Cidre-Bauern über France Passion einen schönen Stellplatz neben Apfelbäumen und der Produktion. Im Laden verkosten wir die Bio-Produkte und kaufen natürlich auch ein - Cidre, Calvados und Pommeau.

Bayeux ist eine französische Gemeinde mit gut 13.000 Einwohnern im Département Calvados in der Region Normandie. Dort unternehmen wir einen Stadtbummel und schlendern durch die historische Altstadt. Bayeux ist die Hauptstadt der Landschaft Bessin, die sich nordwestlich des Calvados ausbreitet.

Stadtbummel in Bayeux.

In Bayeux gibt es einige Museen, unter anderem das Museum de Normandie. Besonders sehenswert dort – der Wandteppich: Ende des 11. Jahrhunderts wurde der Wandteppich von Bischof Odon, dem Bruder von Wilhelm dem Eroberer, als Dekor für die Kathedrale in Auftrag gegeben. Die Stickereien stellen die Eroberung Englands im Jahre 1066 durch Wilhelm dar. Historikern dient er bis heute als reiche Fundgrube für ihre Forschung. Ein Audioguide erklärte uns auf Deutsch die einzelnen Etappen des Wandteppichs.

Ausschnitt und Nachbildung des Wandteppichs.

An der Normandie-Küste trifft man überall auf Erinnerungen und Mahnmale an 1944 – hier die Gedenkstätte Omaha Beach.

Frankreich zählt mit 20.000 Kreisverkehren die Hälfte aller weltweit vorhandenen Kreisverkehre. Sie werden natürlich zur Verkehrslenkung, aber auch zur Verkehrsberuhigung eingesetzt. Wir sind froh neue Stoßdämpfer unter unserem Fahrzeug zu haben, denn der ständige Lastwechsel im Kreisverkehr ist doch enorm.

Gefühlt fährt man alle 2 km durch einen Kreisverkehr, oftmals mehrere direkt hintereinander. Besonders in den Städten sind sie oft hübsch gestaltet.

An der Küste vor Barfleur sehen wir bei Ebbe die Austernbänke und das geschäftige Treiben der Fischer, bevor die Flut wieder einsetzt.

Der Gezeitenunterschied (Tidenhub) in der Normandie und der Nachbarregion Bretagne gehört zu den mächtigsten der Erde. Bis zu 16 Meter beträgt der Unterschied zwischen Hoch- und Niedrigwasser. Diese Höhendifferenzen haben wir bisher nur in Nova Scotia in Kanada erlebt.

Bei Ebbe fällt so manches Hafenbecken leer und die Schiffe liegen auf dem Trockenen.

Als ob es am Strand nicht genug Platz gibt.

Unweit von Lessay finden wir einen schönen Stellplatz in den Dünen mit Blick auf die etwa 25 km weit vorgelagerte Jersey-Insel, die bekanntlich zu England gehört.

Unser heutiger Standort am 05.10.2021.

Die Halbinsel Cotentin, praktisch unterhalb von Cherbourg, besteht aus einer wundervollen Aufeinanderfolge von Landschaften – alternierenden Sümpfen, Wiesen, Bocages, Heiden, Felsen und wilden Küsten. Sein Küstengebiet mit der Bucht von Ecalgrain, die Nez de Jobourg, das Kap Carteret, die Spitze von Barfleur oder der Bucht von Veys verzaubert uns. Hinter jeder Kurve entdecken wir ein neues Fotomotiv. Die Küste der Halbinsel ist teils rau und zerklüftet, teils von langen Sandstränden gesäumt, im Süden bildet ein Moorgebiet, das sich kaum zehn Meter über dem Meeresspiegel erhebt, eine geologische Barriere. Noch im Mittelalter wurde das Cotentin deswegen als Insel bezeichnet. Das Moorgebiet wurde unter Landschaftsschutz gestellt und ist heute unter dem Namen Parc naturel des Marais du Cotentin et du Bessin bekannt. Besonders im Norden der Halbinsel gleicht die Natur auf verblüffende Weise den Landschaften im südwestlichen England oder in Irland mit den sattgrünen Weiden, die durch Hecken oder Steinmauern vor der Winderosion geschützt werden. Immer wieder sehen wir hier große Felder mit Gemüse jeglicher Art.

Porreefeld auf der Halbinsel Cotentin.

Werden hier etwa Radfahrer zum Saufen aufgefordert?

Eine Ampel die sekundengenau anzeigt wann es weitergeht. Übrigens wechselt hier in Frankreich eine Baustellenampel nicht auf grün, sondern das Gelblicht blinkt, wenn die Fahrt weitergehen darf.

Wir nähern uns unserem Tagesziel. Morgen wollen wir den Mont-Saint-Michel besuchen.

An der Grenze der Normandie und der Bretagne gelegen, bezaubert der Klosterberg Mont-Saint-Michel Reisende aus aller Welt. Von Paris aus ist er in dreieinhalb Stunden zu erreichen. Der Mont Saint-Michel gehört zu den meistbesuchten Sehenswürdigkeiten Frankreichs. Morgen stürzen wir uns in den Touristenrummel. Zum Glück ist Nachsaison und so hoffen wir auf einen nicht allzu großen Andrang. Der Berg bietet seinen Besuchern ein unvergessliches Panorama auf seine Bucht und das Meer und lädt zum Innehalten ein. Es ist nicht verwunderlich, dass der Mont-Saint-Michel auch „La Merveille“ (dt. „das Wunder“) genannt wird. Die Ursprünge des Heiligtums gehen auf das Jahr 708 n.Chr. zurück. Aubert, der Bischof von Avranches, errichtete auf dem Felsen ein Heiligtum, nachdem ihm der Erzengel Michael der Legende nach drei Mal erschienen war.

Von unserem Stellplatz aus können wir den etwa 5 km entfernten Mont-Saint-Michel gut erkennen, zwischen dem ersten und zweiten Wohnmobil von links.

Ebenfalls vom Stellplatz aus gesehen, allerdings mit einem 270 mm Tamron-Teleobjektiv.

Zum Glück ist Nachsaison und die Gassen auf der kleinen Felseninsel sind nicht so voll. So können wir die Aussichten ungestört genießen. Aber irgendwie erinnert mich das doch an einen großen Freizeitpark.

Die pyramidenförmig angelegte, hoch in den Himmel ragende Abtei liegt auf einer felsigen Insel, etwa einen Kilometer vor der Küste im Wattenmeer des Ärmelkanals. Bei Flut ringsum vom Meer umspült, bietet dieser „Glaubensberg“ auch bei Ebbe einen beeindruckenden Anblick. Seit 1979 stehen der Mont-Saint-Michel und seine Bucht auf der Liste des UNESCO-Weltkulturerbes. Die Gründung der Abtei soll auf eine Erscheinung des Bischofs von Avranches zurückgehen: 708 wurde er im Traum vom Erzengel Michael mehrfach zum Bau einer Kirche aufgefordert. Und so begann man mit der Errichtung eines Bauwerks, dessen Fertigstellung Hunderte von Jahren dauerte. Im 10. Jahrhundert siedelten sich schließlich die ersten Benediktiner in der Abtei an.

Heute haben wir die Möglichkeit einem Gottesdienst in der Abtei beizuwohnen.

Schönes Video von Normandie Tourismus unter: https://youtu.be/SJmP4HvxyfI

Mit dem Bus fahren wir zum ca. 4 km entfernten Parkplatz zurück.

Mit dem Überqueren des Flusses Couesnon verlassen wir die Normandie und kommen damit in die Bretagne. Damit schließen wir diese Seite und eröffnen auf dieser Homepage die neue Seite „Bretagne“.

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