Juli 2017

Der Westen Kanadas

Nun sind wir im Wild Rose Country Alberta und damit in der Mountain Time-Zone. Diese trennt uns von Deutschland um 8 Stunden.

Unsere erste Übernachtung in Alberta mit prächtigem Sonnenuntergang am See.

Alberta boomt. Es lebt von den reichen Ölvorkommen. Sie wurden 1914 entdeckt. Überall im Norden stehen Ölpumpen und Öltanks, verstreut wie bei uns die Windräder. Auf den Straßen fahren unentwegt große Tanklastzüge, die das Rohöl von den Bohrstellen zu den Raffinerien bringen.

Ölpumpen und ...

… Öltanks sieht man häufig im Norden von Alberta. 

Supergroße Tanklastzüge transportieren „den Reichtum Albertas“. 

Irgendwie treibt es uns hier in Alberta gen Norden. Warum wissen wir auch nicht genau. Yellowknife in den Northwest Territoriens zieht uns magisch an. Von Edmonton bis dorthin sind es rund 1.500 km. Gut die halbe Strecke haben wir schon geschafft. Wir fahren oftmals über hunderte von Kilometern durch vollkommen unberührte Natur. Und wenn dann eine Ortschaft auftaucht, ist sie vom Öl geprägt, so z.B. Red Earth Creek, wo wir letzte Nacht standen.

Trotz der großen Entfernungen sind Albertas Straßen meist sehr gut ausgebaut.

Bei schönen Blumen und Gräsern am Wegesrand greife ich schnell zur Kamera. 

Bei den enormen Entfernungen die in Kanada zurückzulegen sind, (wir fahren täglich um die 300 km) ist es gut einen großen Tank mit 180 l Fassungsvermögen zu haben. Denn nicht alle Tankstellen vertreiben Diesel und manchmal liegen diese auch mehrere hundert Kilometer auseinander. Das Tanken macht hier aber richtig Freude. Diesel bekommt man für rund 1,00 CAD, das sind umgerechnet um die 0,70 Euro pro Liter. Den besten Preis hatten wir bisher mit umgerechnet 0,65 Euro und in den weit abgelegenen Gebieten in Labrador zahlten wir max. 0,95 Euro pro Liter. Benzin ist meist noch günstiger.

Hier macht das Tanken richtig Freude.

Ich fotografiere sehr gerne. Dazu verwende ich zwei Apparate. Die große Canon EOS 500D mit einem Tamron-Objektiv 18-270 mm nutze ich meist für Tierfotos oder Motive die ich heranholen möchte. Und die kleine Outdoor-Kamera Panasonic Lumix DMC-FT5 ist ein empfehlenswerter Allrounder mit vielen nützlichen Aufnahmemodi. Sie verfügt zudem über einen eingebauten GPS-Tracker, der unsere gesamte Tour Tag für Tag alle 30 Sekunden aufzeichnet. Über Google Earth kann so unsere Route genau rückverfolgt werden. Mit beiden Apparaten mache ich auch kurze Video-Sequenzen.

Canon EOS 500D mit einem Tamron-Objektiv 18-270 mm.

Panasonic Lumix DMC-FT5.

Screenshot unsere Tour (lila) am 02.07.2017 per GPS-Track mit der Lumix DMC-FT5 aufgezeichnet.

Unser Standort am 03.07.2017 in High Level in Alberta.

Bei Regen passieren wir die Grenze von Alberta in die Northwest Territories – ohne Formalitäten wie bei uns von Deutschland nach Österreich. Insgesamt haben die Northwest Territories rund 40.000 Einwohner. Davon leben ca. die Hälfte in Yelloknife. Da möchten wir gerne hin.  

Regen, kein guter Start in eine neue Region.

Auf dem Hwy 1 Richtung Norden geht es vorbei an einigen schönen Wasserfällen. Bei besserem Wetter und weniger Mücken könnten wir die Wasserfälle noch besser genießen.

Später bessert sich das Wetter schlagartig. Der Regen hört auf, die Sonne kommt raus und die Temperaturen klettern. Selbst abends um 19:00 Uhr sind es noch 28°C.

 

Auf dem Weg nach Yellowknife werden wir durch Achtung-Schilder auf Bisons aufmerksam gemacht. Und wirklich, kurze Zeit später lassen sich tatsächlich zwei grasende Kammeraden dieser Gattung am Straßenrand sehen.

Achtung Bison auf der Straße …

… und tatsächlich, da sind sie.

Ich hätte es nicht erwartet: Yellowknife ist eine Reise wert. Eine moderne und sehr interessante Stadt mit kompletter Infrastruktur, guten Restaurants und freundlichen Menschen.

Panoramablick vom Pilots Monument auf die hübschen Holzhäuser im Old Town ...

... und den Yellowknife Bay mit bunten Hausbooten.

Hier in den Northwest Territories kann ich meine Autokennzeichen-Sammlung durch ein ganz besonderes Stück ergänzen. Die „Blechtafel“ ist in Form eines Eisbären ausgestanzt. 

In den Northwest Territories „genießen“ wir sommerliche Temperaturen um die 33°C. Die Straßen sind schlecht und überall Mücken, die einem den Schlaf rauben. Dafür entschädigt die wunderschöne Landschaft. Fort Simpson ist nur mit einer abenteuerlichen Fähre über den breiten Liard River zu erreichen. Zu unserem Erstaunen, diese Fähre ist kostenfrei. Im Winter wird der Fährbetrieb eingestellt und dann geht es auf dem Eis über den Fluss. Hier oben in den sumpfigen Gebieten sind derzeit etliche Ortschaften nicht per Straße erreichbar. Erst wenn der Winter richtig da ist, werden die Eisroads wieder eröffnet. 

Die Eisroad ist geschlossen …

… dafür verkehrt die Fähre kostenfreie.

Wir kommen nach British Columbia und erleben damit erneut eine Timezone. Die Pacific Time trennt uns nun 9 Stunden von Deutschland. 

Wir passieren die Grenze zu British Columbia, aus den Northwest Territories kommend …

… und fahren weiter Richtung Yukon.

Vom Liard Highway stoßen wir auf den legendären Alaska Highway. Ihm folgen wir durch die nördlichen Rocky Mountens Richtung Yukon. Die Tierwelt ist einzigartig. Wir sehen Bisons, Elche, Steinböcke, Stachelschweine, Bären und Biber; daneben etliche Vögel wie Eulen und Greifvögel.

Bei einer Tiersichtung steht auf dem Highway der Verkehr.

 

Die Tierwelt ist einzigartig.

Tiere

Der Alaska Highway führt über 1.523 Meilen von Dawson Creek in British Columbia bis nach Fairbanks in Alaska. In Watson Lake verlassen wir ihn allerdings wieder, um auf dem Robert Campbell Hwy und später dem Dempster Hwy ganz oben im Norden nach Inuvik zu gelangen.  

Wir erreichen Yukon.

Bei einem Zwischenstopp im Sign Forest (Schilderwald) von Watson Lake bringen auch wir unser mitgebrachtes Autokennzeichen an.

Mehr als 75.000 Autokennzeichen, Straßen- und Ortseingangsschilder etc. sind hier aus der ganzen Welt zu sehen.

Nun sind auch wir mit unserem (H UA 7500) Kennzeichen im Sign Forest verewigt.

Wir verlassen in Watson Lake den Alaska Highway und fahren auf dem Robert Campbell Highway gen Norden. 

Am 12.07.2017 halten wir uns in Watson Lake, Yukon, auf. 

Nach einem morgentlichen Starten, verraten die Anzeigen im Fahrzeug nichts Gutes. Wir haben kein ESP, ABS, Tempomat und vor allen Dingen kein Allrad mehr. Unser OBD Diagnosegerät wirft etliche Fehlermedungen aus. Nach einem E-Mail-Kontakt mit unserer Werkstatt in Deutschland konnten wir den Fehler eingrenzen und letztlich beheben. Ein ganz herzliches Dankeschön für die schnelle und perfekte Unterstützung an die Sternpartner in Celle. Unter dem Fahrzeug habe ich drei, vermutlich durch Steinschlag gekappte Leitungen wieder reparieren können. 

Diese Info verrät nichts Gutes.

Das OBD Diagnosegerät ist Gold wert. Darauf möchte ich auf keinen Fall mehr verzichten.

Auf dem Parkplatz „Five Finger Rapids“, oberhalb der berüchtigten Yukon-Stromschnellen lege ich mich zur Reparatur der Leitungen unter das Fahrzeug.

Zwei Stunden später sieht alles aus, als sei nichts gewesen.

Die Landschaft hier oben im Nordwesten von Kanada ist manchmal karg, meist aber sehr abwechslungsreich und unbeschreiblich schön. Die nachfolgenden Bilder sollen einen kleinen Eindruck davon vermitteln.

Landschaften

Kurz vor Dawson City verlassen wir vollgetankt und guten Mutes den Robert Campbell Hwy, um auf dem Dempster Hwy nach Inuvik zu fahren. Nördlicher geht es kaum. Fast 750 km Gravelroad hin und auch wieder zurück. So praktisch von Hamburg nach München auf Schotter. Einen anderen Weg gibt es aber nicht. Wir fragen uns, warum wir das machen? 

Ab Inuvik geht der Dempster Highway nur noch als Winterroad weiter.

Der Dempster Highway ist ein „muss“ für Verrückte wie wir es sind.

Die Ogilvie Mauntains mit einem 1.289 m hohen Pass im Tombstone Territorial Park sind vielversprechend. In der Tat: eine wundervolle Landschaft. 

Wir durchfahren den Tombstone Territorial Park …

… und erleben eine Landschaft, die unbeschreiblich schön ist.

Vom Dach des Wohnmobils aus hat man eine tolle Aussicht …

… aber auch aus dem Fahrerhaus kann man die herrliche Landschaft wirklich genießen.

Doch nach ca. 230 km (kurz vor Eagle Plains) wird unsere Fahrt gestoppt. Dichter Rauch zieht auf und verdunkelt die Sonne. Vor uns liegt ein großer Buschbrand. 

Der Himmel verdunkelt sich und die Sonne ist nicht mehr zu sehen.

Wir ziehen es vor den Rückzug anzutreten. Im vermeintlich sicheren „Rückzugsgebiet“ angekommen, wollen wir zu Abend essen und nächtigen. Bereits kurze Zeit später holt uns der dichte Rauch wieder ein. So entscheiden wir uns, nahezu die gesamte Tagesetappe wieder zurückzufahren. Um 23:30 Uhr finden wir dann endlich einen geeigneten Nachtplatz.  

Bei der Rückfahrt ist das Hinweisschild auf den Tombstone Territorial Park nur noch im Dunst zu erkennen. 

Nachdem es in Richtung Inuvik nicht weitergeht, machen wir einen Zwischenstopp in Dawson City am beeindruckenden und zugleich legendären Yukon River. Wir schauen, ob morgen die Waldbrände gelöscht sind und wir einen zweiten Versuch starten können. 

Zwischenstopp in Dawson City.

In und um Dawson City sind überall Relikte aus der Goldgräberzeit zu finden.

In der Touristinformation Dawson City erfahren wir, dass der Dempster Hwy nach dem Feuer nun wieder offen sei. So starten wir einen erneuten Versuch nach Inuvik zu kommen. 

Der Dempster & Inuvik / Quelle: Reisemagazin Abenteurer Yukon, BC, Alaska 2017

Doch auch nun kommt es anders als gedacht. Wir kommen nicht weit. In eines der Hinterräder hat sich auf der Gravelroad ein spitzer Stein hineingebohrt. Zum Glück wird der Druckverlust über das nachgerüstete Tire Moni RDKS (Reifendruckkontrollsystem) rechtzeitig angezeigt. Daher ist nicht viel passiert und ich konnte den Reifen sogar ohne Demontage direkt vor Ort mit einem Reparatur-Kit schnell und einfach flicken.

Nun liege ich erneut unter dem Fahrzeug und flicke den Reifen.

Die Gravelroad setzt den Reifen mächtig zu.

Wir kommen an dem Buschbrand vorbei, der erst vor zwei Tagen gelöscht wurde.

Die Feuerwehr ist noch mit Nachlöscharbeiten beschäftigt.

Über rund 50 km durchfahren wir ein verkohltes Gebiet. Überall riecht es noch nach Verbranntem.

In Eagle Plains wird nachgetankt. Bei uns sehen Tankstellen aber anders aus, doch Hauptsache wir bekommen Diesel.

Den knapp 750 km langen Dempster Hwy durchfahren wir in zwei Etappen und überqueren dabei den Polarkreis.

Hier oben am Polarkreis wird es auch nachts nicht mehr dunkel.

Die Spuren des halben Regentages auf dem Dempster Hwy sind deutlich an unser Fahrzeugheck geschrieben.

Aber bei Sonnenschein hat man mit Staub zu kämpfen.

Bei bestem Wetter und keinen weiteren Zwischenfällen erreichen wir Inuvik und damit das Ende des Dempster Hwy.

Am 19.07.2017 sind wir in Inuvik, ganz oben im nordwestlichen Kanada.

Morgen geht es zurück - 750 km Gravelroad - nach Dawson City, dort mit der Fähre über den Yukon River und dann weiter über den Top oft the Word Highway nach Alaska.

Mit der kostenfreien Fähre geht es in Dawson City über den Yukon.

Der Top oft the Word Highway ist eine beeindruckende Gravelroad und verläuft auf einer Höhe von 1.000 bis 1.300 m mit einer fantastischen Fernsicht.

Hier der Streckenverlauf unserer Tour im Westen von Kanada.

Nun haben wir Kanada, das zweitgrößte Land der Erde, mit 5 Zeitzonen zwischen der Ost- und Westküste bereist und dabei rund 22.000 km zurückgelegt und viel erlebt und noch mehr gesehen. Eine bisher wirklich tolle und beeindruckende Tour.

Damit starten wir eine neue Seite auf unserer Homepage:

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© Uwe und Anita on Tour