Von der Elbe bis nach Burgdorf

Von Brandleben über Dömitz, Bohnenburg, Pommau, Darchau, Neu-Darchau, Barskamp, Thomasburg, Lüneburg, Südergellersen, Oldendorf (Luhe), Amelinghausen, Diersbüttel, Holthusen I, Brockhofe, Oberohe, Lutterloh, Rebberlah, Eschede, Habighorst, Höfer, Bedenbostel, Lachendorf, Wienhausen, Eicklingen, Hänigsen und Otze bis nach Burgdorf.

So war der weitere Verlauf meiner Tour eigentlich geplant. Doch soeben erfahre ich, dass ich wegen eines Manövers das "Truppenübungsgebiet Munster" morgen nicht durchfahren kann. Also wede ich sehen welche Strecke sich anbietet.

Heute Morgen zieht ein heftiges Unwetter, zum Glück nördlich an mir vorbei.

Bevor ich gleich von der B 191 links auf die Elbtalstraße abbiege, mache ich jedoch noch einen Abstecher nach Dömitz, durchfahre den Ort auf altem Kopfsteinpflaster und sehe mir die Festung an. Und ganz wichtig: tanken nicht vergessen.

Der Trecker braucht nicht viel Diesel, hat aber auch nur einen kleinen Tank. Doch ich bin ja auch schon 180 km unterwegs, also besser nachtanken.

In Dömitz erreicht die Müritz-Elde-Wasserstraße ihren Endpunkt. Sie ist mit einem Sperrwerk abgeriegelt und stellt die Verbindung zwischen der Mecklenburger Seenplatte (einschließlich der Müritz) und der Elbe her. 

Auf der einen Seite sehe ich in Dömitz schön restaurierte Häuser mit duftenden Rosenstöcken davor und auf der anderen Straßenseite verfallen die Häuser und die Läden stehen leer.

Zur Besichtigung der Festung habe ich hier richtig eingeparkt.

In Form eines Fünfecks erstreckt sich das imposante Bollwerk der Renaissance am mecklenburgischen Elbeufer. Hier der Eingangsbereich.

Das Kulturdenkmal Festung Dömitz ist eine der wenigen sehr gut erhaltenen Flachlandfestungen des 16. Jahrhunderts in Nordeuropa. In der Form eines Fünfecks angelegt und mit Bastionen und Kasematten versehen, zeigt sie die eindrucksvolle Wehrarchitektur der Renaissance. Von 1559 bis 1565 wurde sie auf den Resten einer Burganlage aus dem 13. Jahrhundert erbaut und bis ins späte 19. Jahrhundert militärisch genutzt. Die fünf Bastionen und Kasematten, das Zeughaus, die alte Hauptwache und das Kommandantenhaus vermitteln einen Einblick in die Verteidigungsanlagen aus mehreren Jahrhunderten. 

Durch diese dunklen Gänge verlasse ich die Festung.

Die Elbtalstraße ist prima zu befahren und sehr wenig Verkehr.

Erneut passiere ich eine „unsichtbare“ Grenze und komme zurück nach Niedersachsen.

Auf der rechten Elbseite durchfahre ich das „UNESCO-Biosphärenreservates Flusslandschaft Elbe MV“. Zum Teil nutze ich dabei gemeinsam mit freundlichen Radfahrern den viel genutzten 1.300 km langen Elberadweg. Es grüßen Groß und Klein, Jung und Alt, Männlein, Weiblein und natürlich auch Divers.

Als Zwangsaussiedlungen an der innerdeutschen Grenze bezeichnet man zwei große, generalstabsmäßig angelegte Operationen der DDR, die im Juni 1952 als „Aktion Grenze“ und im Oktober 1961 als „Aktion Festigung“ mit dem Ziel durchgeführt wurden, in politischer Hinsicht als unzuverlässig eingeschätzte Personen aus dem Sperrgebiet entlang der innerdeutschen Grenze zu entfernen.

Ihre Häuser wurden angerissen und als Mahnmal entstand nach der Widervereinigung aus dem Bauschutt eine Pyramide.

An der Fähre in Darchau lege ich eine Mittagspause ein.

Die Fähre Tanja bringt uns innerhalb von 5 Minuten zu einem Preis von 11,00 Euro auf die südliche Elbseite.

Mein weiterer Weg Richtung Lüneburg führt mich auch heute wieder meistens über wenig befahrene Wirtschaftswege. Doch kurz vor Lüneburg komme ich auf die autobahnähnlich ausgebaute B4. Da darf ich fahren, doch etliche Autofahrer konnten sich das Hupen nicht verkleifen.

Es ist das gleichmäßige Rauschen des Wassers und das historische Fachwerk, das die alte Wassermühle Thomasburg zu einem ganz besonderen Ort macht. Als stolzes Wahrzeichen der Region steht sie seit Generationen für Handwerk, Tradition und das Leben im Einklang mit der Natur. Derzeit wird sie aufwändig uns stilvoll restauriert.

Schön ist es, wenn solche historischen Gebäude erhalten bleiben.

In Lüneburg checke ich auf dem dortigen Wohnmobilstellplatz ein. Eine Reservierung war im Vorfeld nicht möglich, vermutlich, weil hier gerade alles komplett umgebaut wird. 

Hier stehe ich nun mit meinem auffälligen Gefährt neben den "richtigen" Wohnmobilen. 

In unserem Wohnmobil ist ein 200 l Frischwassertank verbaut. Hier habe ich 12 l - geht auch.

Um 17:30 Uhr erreiche ich Lüneburg, bei beachtlichen 34°C.

Meine heutige Tagesetappe - 103 km.

Nachtrag von Freitag:

Nachdem ich das Gespann und mich auf dem Stellplatz in Lüneburg geregelt habe, ist heute Abend noch eine Stadtbesichtigung angesagt. 

Lüneburg blickt auf eine über 1.050-jährige Geschichte zurück, präsentiert sich heute aber als vitale, junge Universitätsstadt. Gelegen im Norden Niedersachsens, vereint die Hansestadt mittelalterlichen Charme mit moderner Lebensqualität. Der Salzabbau machte Lüneburg im Mittelalter reich und mächtig. Diese Geschichte ist bis heute an der prächtigen Architektur der Altstadt spürbar. Da Lüneburg im Zweiten Weltkrieg fast völlig unversehrt blieb, besticht die Altstadt durch ein geschlossenes, mittelalterliches Bild aus roten Backsteinhäusern und kunstvollen Giebeln. Auch die Lokale sind nicht zu verachten.

Treckerfahrer brauchen richtige Männerportionen.

Bei hochsommerlichen Temperaturen durchstreife ich die 80.000 Einwohner zählende Hansestadt. Heute jedoch kommt es unter dem Zentrum zu starken Setzungen. Wände sind wellig, Mauern schief, Haustüren stehen schräg in den Angeln und Risse ziehen sich durch das historische Mauerwerk. Das sogenannte Senkungsgebiet erstreckt sich über ein Areal zwischen der Michaeliskirche, dem Platz „Auf dem Michaeliskloster“ und dem ehemaligen Salinengelände.

An vielen Häusern sind hübsche Rosenstöcke zu sehen.

„Schiefe Häuser“: Viele historische Backsteinhäuser stehen heute unter Denkmalschutz und werden mit großem Aufwand und speziellen Fundamenten stabilisiert. Sie gehören zu den Lasten der „Rote Rosen“-Stadt.

Samstag, 20.06.2026

von Lüneburg bis Rebberlah 

Nachdem es diese Nacht richtig geschüttet hat, starte ich in einen sonnigen Tag. Bei Temperaturen über 30°C habe ich 90 km bis zu meinem Tagesziel vor mir. 

Diese heftige Regenfront zog letzte Nacht über Lüneburg. In meinem „Fahrzeug“ ist alles trocken geblieben.

Unbedingt wollte ich mir den alten Kran in der „Rote-Rosen“-Stadt ansehen. Gestern Abend war es mir zu Fuß zu weit. Nun sitze ich auf meinem Trecker und er bringt mich durch den dichten Verkehr der Innenstadt. 

Der alte Kran ist ein historischer Hafenkran, der 1797 erbaut wurde und als eines der Wahrzeichen der Stadt gilt. Er diente ursprünglich dem Umschlag von Salz und anderen schweren Gütern und ist aus tragendem Holz gefertigt, mit einer Bretterverkleidung und einem kupferbedeckten Dach. Der Kran ist ein bedeutendes Industriedenkmal und prägt das Bild des Lüneburger Wasserviertels. Er wurde erstmals 1346 urkundlich erwähnt und wurde über die Jahrhunderte mehrfach umgebaut und modernisiert.

Mit dem Kran wurde das Lüneburger Gold also das Salz umgeschlagen.

Prachtvolle Häuser im Lüneburger Wasserviertel.

Über sehr gut befahrbare Wirtschaftswege geht es weiter Richtung Amelinghausen.

Kurz vor Amelinghausen sehe ich mir natürlich auch die Oldendorfer Totenstatt an. Es ist ein Ensemble von sechs Grabhügeln und Großsteingräbern in Oldendorf nördlich von Amelinghausen im Tal der Luhe. Es besteht aus den Hünenbetten und den Rundhügeln. 

Eine Tafel weist mir den Weg.

Die alten Grabhügel sind eingebettet in die hier typische Heidelandschaft.

In Amelinghausen tanke ich 2 Minuten vor 12:00 Uhr zu 1,679 pro Liter. 5 Minuten später kostet der Diesel schon 30 Cent mehr.

Die 25 PS des kleinen grünen Traktors ziehen den blau beplanten Anhänger mit Leichtigkeit durch Feld und Wald, aber es ist heute auch eine Bundesstraße dabei.

Da ich das Truppenübungsgebiet heute umfahren musste, streife ich immer wieder den östlichen Rand dieser Militäranlage. Schilder warnen vor Gefahren.

Mit dem Trecker auf abgelegenen Wegen die Lüneburger Heider zu durchfahren ist schon sehr schön.

Kurz vor meinem Ziel hindert ein Tor meine Weiterfahrt.

Doch zum Glück kann (und darf) ich es öffnen und natürlich auch wieder ordnungsgemäß schließen.

Um so hübsche Blumen zu fotografieren steige ich gerne mal vom Trecker ab – dabei kann ich gleichzeitig meine alten Knochen mal lang machen.

Im letzten Jahr hat der Trecker hinten neue Reifen bekommen. Die vorderen Reifen kommen mit der hohen Temperatur des Asphalts offenbar nicht so gut klar. Da sind nach der Tour auch vorne neue Reifen fällig.

Heute nächtige ich auf dem Hof unserer Tochter mit ihrer Familie. Die Enkelkinder freuen sich Opa mit seinem Trecker zu sehen. Von meiner bisherigen Tour gibt es heute Abend viel zu erzählen. 

Hier stehe ich geschützt unter der dicken Kastanie. 

Meine heutige Tagesetappe - 90 km.

Sonntag, 21.06.2026 

von Rebberlah bis Burgdorf

Es war ein schöner Morgen mit einem gemeinsamen Sonntags-Frühstück mit der Familie. Aufgrund des heftigen Regens, den warte ich natürlich ab, starte ich aber erst um 11:30 Uhr. Danach klart es schnell auf und es wird abermals ein heißer Tag. Heute bin ich in Begleitung unterwegs, denn drei meiner Enkelkinder nehmen auf den Radkastensitzen platzt und so bin ich für die letzte Tagesetappe nicht alleine. 

Mal erst den Regen abwarten, aber dann geht es los.

Nur wenige Kilometer nach meinem heutigen Start komme ich zur ICE-Gedenkstätte. Am 3. Juni 1998 ereignete sich in Eschede das schwerste Zugunglück in der Geschichte Deutschlands. Aufgrund eines gebrochenen Radreifens entgleiste der ICE 884 „Wilhelm Conrad Röntgen“ bei einer Geschwindigkeit von fast 200 km/h und brachte eine Straßenbrücke zum Einsturz. 101 Menschen verloren an diesem Tag ihr Leben, 105 wurden schwer verletzt. Zentrales Element der Gedenkstätte ist ein bepflanzter Garten mit 101 Kirschbäumen.

Die ICE-Gedenkstätte in Eschede. Ein Ort der Stille und des Erinnerns.

Inmitten der 101 Kirschbäume ist eine große Gedenktafel mit den Namen der Opfer stummer Zeuge der Katastrophe vom 3. Juni 1998.

Meine Tour führt mich weiter über wenig befahrene Wirtschaftswege. Die dort leuchtend blühenden Blumen sind hübsch anzuschauen.

Südöstlich von Celle liegt mit dem Kloster Wienhausen ein wahrer Schatz der norddeutschen Backsteingotik. Gegründet um 1230 als Zisterzienserinnenkloster, wurde es nach der Reformation in ein evangelisches Damenstift umgewandelt. Bis heute wird die wunderschöne, idyllisch an der Aller gelegene Anlage von einem Konvent aus Klosterdamen bewohnt und gepflegt.

Am Kloster Wienhausen, einem gotischen Juwel an der Aller, legen wir einen Zwischenstopp ein.

Backsteingotik trifft im Kreis Celle auf Fachwerkidylle: Das historische Kloster Wienhausen zählt zu den besterhaltenen mittelalterlichen Frauenklöstern in Deutschland.

Je nach Kartoffelsorte blühen sie links und rechts des Weges, weiß, rosa, violett oder auch bläulich.

Meine Tour führt mich über Hänigsen. Dort setze ich meine jungen Beifahrer am Freibad ab. Sie können bestens schwimmen und springen gerne vom 10 m-Turm. Von ihrer Mutter werden sie später abgeholt. Das Freibad Hänigsen eG ist ein genossenschaftlich geführtes Freibad in, das sich besonders durch seine familienfreundliche und engagierte Atmosphäre auszeichnet. Es wird mit viel ehrenamtlichem Engagement betrieben und bietet eine schöne Außenanlage sowie Abkühlung für Groß und Klein besonders bei der heutigen Hitze

Auch heute meide ich die Hauptstraßen und folge der Bike Citizens-Fahrradnavigation. Sie ist auch für Treckergespanne präzise nutzbar.

Es geht es vorbei an schönen Höfen, dunklen Wäldern, großen Heuwiesen und weiten Feldern mit Rüben und Mais.

Junge Pferde auf der Koppel, ein idyllischer Anblick.

Meine heutige Tagesetappe - 52 km.

Nun steht mein treuer und zuverlässige Begleiter verdient in seiner trockenen Garage. Er schaut mich blinzelnd mit seinen runden Scheinwerferaugen an als ob er fragen möchte: „Wann geht es wieder auf Tour?“ Ich bringe ihm schonen bei, dass er mit seinen fast 70 Jahren zu alt und zu langsam für unsere nächste geplante Tour sei. Doch dazu später mehr auf dieser Homepage.

Hier ruht sich nach getaner Arbeit der kleine grüne Traktor aus.

Jetzt bin ich wieder zu Hause und kann auf eine echt erlebnistreiche Tour mit schönen Begegnungen und freundlichen Zusammentreffen mit netten Menschen zurückblicken. An den sechs Tagen habe ich mich weitestgehend an meine Vorplanung der Tour gehalten, konnte jedoch das „Truppenübungsgebiet Munster“ nicht durchfahren. So war ich nun auf insgesamt 323 schönen Kilometern störungs- und unfallfrei unterwegs. An herzliches Dankeschön an alle die mich begleitet haben und mir nette und freundliche Rückmeldung gaben.

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© Uwe und Anita on Tour