Von Burgdorf bis zur Elbe
Juni 2026
Von Burgdorf über Otze, Hänigsen, Uetze, Päse, Müden (Aller), Wilsche, Gifhorn, Grußendorf, Ehra-Lessin, Radenbeck, Lüdelsen, Ahlum, Rohrberg, Salzwedel, Ritze, Puttball, Thurau, Siemen und Gusborn bis nach Brandleben.
Dienstag, 16.06.2026
von Burgdorf bis Päse
Auf meiner Tour durch Hänigsen, ein echter Blickfang: Die historische Bockwindmühle. Sie wurde bereits um 1705 errichtet und blickt auf eine über 300-jährige, wechselvolle Geschichte zurück. Das Besondere an diesem architektonischen Urtyp ist ihre Bauweise. Das gesamte hölzerne Mühlenhaus ist auf einem zentralen Ständer - dem sogenannten Hausbaum - gelagert und muss manuell komplett in den Wind gedreht werden.
Ein absolut außergewöhnliches Technikdenkmal erwartet mich am Kuhlenberg nördlich von Hänigsen. Ich habe Glück und Rentner Klaus ist zufällig auf dem Gelände und macht mit mir eine exklusive Führung. Hier befindet sich das älteste urkundlich erwähnte Erdölvorkommen Norddeutschlands. Bereits im Jahr 1546 beschrieb der berühmte Naturforscher Georgius Agricola dieses Phänomen. Jahrhundertelang trat das dickflüssige Rohöl (von den Einheimischen fälschlicherweise „Teer“ genannt) an dieser Stelle ganz natürlich an die Erdoberfläche. Sogenannte „Teerkerle“ schöpften die zähe Masse mühsam von Hand ab. Verkauft wurde das begehrte Gut damals vor allem als wirksame Wagenschmiere und sogar als Heilmittel für Mensch und Tier.
Auf den Spuren der Teerkerle: Das älteste urkundlich erwähnte Erdölvorkommen Norddeutschlands in Hänigsen.
Für meine erste Übernachtung habe ich über park4night einen Bauernhof-Stellplatz gefunden und im Vorfeld fest gebucht. Mit Hinnerk, dem Senior auf dem Hof, komme ich schnell ins Gespräch. Und wie könnte es anders sein, es ging um Trecker und Landwirtschaft.
Ganz zu Beginn heute Nachmittag dachte ich, “was hat mich geritten, auf eine solche Treckertour zu gehen“. Doch mit jedem Kilometer den ich fahre, gefällt es mir besser. Heute waren es zum Einfahren nur 30 km, doch morgen wird die Etappe fast dreimal so lang. Aber dafür habe ich dann auch den ganzen Tag Zeit.
Mittwoch, 17.06.2026
von Päse bis Ahlum
Um 5 Uhr wird es hell. Die Hühner haben ihren Schlaf aus - ich auch. Das Wetter ist prima. Ich konnte mich draußen mit Brunnenwasser waschen und rasieren und natürlich auch draußen frühstücken. Hinnerk kommt nochmal mit seinem gehorsamen Hund vorbei und zeigt mir voller Stolz seinen alten Fahr-Trecker mit Güldner-Motor.
Mit einem festen Händedruck verlasse ich den schönen Platz bei Hinnerk neben der Hühner-Villa unter den großen dicken Eichen und starte in den sonnigen Tag Richtung Gifhorn. Nun geht es los: Meinen betagten Güldner lasse ich gegen 9:00 Uhr an.
Mein Besuch im Internationalen Mühlenmuseum Gifhorn. Ich habe mich auf eine faszinierende Reise durch die Welt der mehr als 10 Wind- und Wassermühlen begeben und bin absolut begeistert. Bei meinem Ausflug auf das weitläufige, idyllische Freigelände durfte ich originalgetreue Mühlen aus aller Welt hautnah erleben. Es ist faszinierend zu sehen, wie diese historischen Meisterwerke der Technik damals wie heute funktionieren.
Im 15 ha großen Freigelände sind Wind- und Wassermühlen aus verschiedenen Ländern zu sehen.
Das Mühlenmuseum Gifhorn erinnert mich an unser Dreschefest. Doch hier sind die Maschinen nur ausgestellt. Bei uns in Schillerslage sind sie jedes Jahr am 3. Sonntag im September in voller Funktion zu sehen. (www.dreschefest.de)
Besonders genossen habe ich die entspannte Atmosphäre am Ufer des Schlosssees und den herrlichen Duft nach frisch gebackenem Brot, der mir am historischen Backhaus entgegenströmte. Für mich war es eine Pause vom Trecker und die perfekte Mischung aus lebendiger Geschichte, traditionellem Handwerk und Natur pur.
Nach dem Besuch des Mühlenmuseums geht es weiter Richtung ehemaliger DDR.
Schöne Blumen und Blüten am Wegesrand. Vom Auto oder Wohnmobil aus sieht man sie nicht. Vom Trecker steige dafür gerne schon mal ab.
Nördlich von Wolfsburg (in Ehra-Lessien), tief verborgen in den niedersächsischen Wäldern, liegt das größte Automobil-Testgelände der Welt. Das streng geheim gehaltene nicht einsehbare Areal von Volkswagen ist die Geburtsstätte neuer Technologien und der härteste Prüfstand für alle Konzernmarken - von Volkswagen über Audi und Porsche bis hin zu Bugatti. Zu sehen bekomme ich davon natürlich nichts, doch ich habe das Gefühl, hier ganz nah an technischen Entwicklungen von übermorgen zu sein.
Wer heute die unsichtbare Grenze bei Brome überschreitet, tut dies meist wohl eher beiläufig. Kein Wunder, denn der Wechsel zwischen zwei Bundesländern soll ja auch kein Hindernis sein, sondern ganz im Gegenteil möglichst leicht von statten gehen. Doch das war nicht immer so. Die knapp 1.400 km lange innerdeutsche Grenze hinderte bis 1989 (hier sogar bis zum 02.02.1990) durch massive Befestigungen, Schießbefehl und Selbstschussanlagen die Einwohner der Deutschen Demokratischen Republik (DDR) an einer Ausreise in die Bundesrepublik Deutschland (BRD).
Die innerdeutsche Grenze bei Brome wurde nach dem Mauerfall als Teil des Grünen Bandes geschützt. Dieser Geländestreifen zwischen der ehemaligen innerdeutschen Grenze und den Grenzanlagen auf östlicher Seite ist ein bedeutendes Naturschutzprojekt in Deutschland.
Nahe der Gemeinde Jübar im Altmarkkreis Salzwedel verbirgt sich im Wald eine archäologische Besonderheit. Die sechs Großsteingräber von Lüdelsen stammen aus der nacheiszeitlichen Trichterbecherkultur und wurden rund 3600 bis 3300 v. Chr. errichtet. Damit sind die monumentalen Hünengräber aus gewaltigen Findlingsblöcken nachweislich älter als die berühmten Pyramiden von Gizeh.
Entschleunigt geht es nun meinem Tagesziel entgegen. Beim Bootshaus zur Seezeit im Rohrberger Ortsteil Ahlum habe ich die Übernachtung bereits vorgebucht.
Donnerstag, 18.06.2026
von Ahlum bis Brandleben
Auch heute breche ich wieder kurz nach 9:00 Uhr auf. Meine erste Etappe geht vom Ahlumer See über etwa 20 km zum Bismarckturm kurz vor Salzwedel. So dachte ich es zumindest. Wegen Schranken, Poller und einer nur für Radfahrer schmalen Brücke wurden es 28 km. Aber wie gesagt: ich bin ja nicht unterwegs um anzukommen.
Der Bismarckturm liegt versteckt mitten im Wald. Den sehe ich mir natürlich an. Er steht auf dem Schwarzen Berge (76 m über NN), 4 km südwestlich der Stadt Salzwedel und wurde in den Jahren 1899 / 1900 im altmärkischen Baustil errichtet.
Der 20,50 m hohe, viereckige Turm mit einer Grundfläche von 4,40 m x 4,40 m ist ein Ziegelrohbau im altmärkischen Baustil. Einer Tafel ist zu entnehmen: „Entworfen wurde der Aussichtsturm mit Befeuerungsmöglichkeit von Kreisbaumeister Karl Hartmann aus Salzwedel, der gleichzeitig auch Oberbauleiter war. Ausgeführt wurden die Arbeiten von Maurermeister und Architekt Albert Strauchenbruch, ebenfalls aus Salzwedel.“ Eine europaweite Ausschreibung gab es damals noch nicht.
Die meisten Wirtschaftswege sind recht gut ausgebaut und lassen sich prima fahren. Vom Trecker aus kann ich dabei die Landschaft wahrlich genießen.
Allerdings gibt es auch Kopfsteinpflasterstraßen oder schmale und holprige Wege. Da heißt es: Tempo nochmals drosseln. Dennoch bin ich mit einer Durchschnittsgeschwindigkeit von 15 km/h bin unterwegs.
Für mich ist Salzwedel im Norden von Sachsen-Anhalt ein echtes Schmuckstück, das viel zu oft unterschätzt wird. Die über 750 Jahre alte Hansestadt hat mich mit ihrem Mix aus idyllischem Kleinstadtflair, beeindruckender Backsteingotik und einer ganz besonderen Spezialität absolut verzaubert. Wenn du die Altmark bereist, musst du hier einfach einen Stopp einlegen und unbedingt den weltberühmten Baumkuchen probieren.
Salzwedel - die 23.000 Einwohner zählende Stadt an der Jeetze mit ihren schmucken Häusern ist eine Reise wert.
Jetzt aber weiter, es liegen bis zu meinem bereits vorgebuchten Tagesziel in Brandleben an der Elbe noch einige Kilometer vor mir. Dennoch: Ich bin ja nicht auf der Flucht und ich mache diese Treckertour auch nicht um anzukommen, sondern um unterwegs zu sein. Denn der Weg ist mein Ziel.
Wer an das Wendland denkt, hat meist idyllische Rundlingsdörfer, weite Elbtalauen und dichte Wälder vor Augen. Aber hättet ihr gedacht, dass hier auch echte Wüstenschiffe zu Hause sind? Und genau auf einem solchen Kamelhof habe ich für heute bei Kerstin und Olaf einen Stellplatz für mein Treckergespann gebucht - direkt neben den Kamelen.
Mein Treckergespann steht nur wenige Meter vom Storchennest und die Kamele kommen zum Streicheln ganz nahe.
Beim Gespräch mit Kerstin, die Chefin des Kamelhofes, erklärt sie mir, dass der Begriff Kamel der Oberbegriff ist. Die mit einem Höcker sind Dromedare und mit zwei Höckern sind Trampeltiere. Beides sind also Kamele, so habe ich Kamel schon wieder was dazugelernt.
Gerne nutze ich auf dieser Tour Wirtschafts-, Feld- und Waldwege und versuchen die Hauptstraßen zu meiden. Das ist mir heute weitestgehend gelungen.
Nachtrag von Donnerstag:
Nachdem ich die Homepage für den Tag schon abgeschlossen hatte, bin ich zu Fuß noch zu der alten Eisenbahnbrücke gegangen.
Die alte Elbbrücke Dömitz war eine 986 Meter lange Eisenbahnbrücke über die Elbe und gehörte zu den längsten Strombrücken Deutschlands. Das teilzerstörte Bauwerk war Teil der Bahnstrecke von Wittenberge nach Lüneburg. Im August 2023 wurde auf vier sanierten Vorlandbrückenbögen ein Skywalk von 130 Meter Länge eröffnet. Natürlich sehe ich mir das an und lasse meinen Trecker alleine auf dem Kamelhof zurück.
Das Bauwerk ist schon sehenswert.
Freitag, 19.06.2026
von Brandleben bis Lüneburg
Heute glühe ich den alten Güldner um 9:00 Uhr vor. Dank der neuen Batterie springt er einwandfrei an. Nun geht es rüber auf die andere Elbseite.
Wenig später passiere ich mit meinem Gespann die neue Elbbrücke auf der der B 191. Sie ist eine 970 m lange Straßenbrücke über die Elbe. Das Bauwerk westlich von Dömitz ist Bestandteil der Bundesstraße 191 von Celle nach Ludwigslust und in einem ca. 115 Kilometer langen Elbeabschnitt zwischen Wittenberge und Lauenburg die einzige Straßenbrücke. Es überspannt mit zwei Fahrstreifen die Elbe und das eingedeichte Vorland.
Und damit eröffne ich eine neue Seite auf dieser Homepage: