Südostanatolien

Von Tatvan über Baykan, Maabadi, Badman, Hasankeyf, Midayat, Yayvantepe, Midyat, Yayvantepe, Mardin, Viransehir, Sanliurfa, Harran, Bozova, Adiyman, Kahta und Narince bis nach Nemrut Dagi. 

Südostanatolien

Südostanatolien ist eine Region voller Kontraste und tiefer historischer Bedeutung. Als Heimat des "Fruchtbaren Halbmonds" gilt sie als einer der Ursprungsorte der menschlichen Zivilisation. Geprägt von den Strömen des Euphrat und Tigris, bietet die Region eine einzigartige Mischung aus antiken Stätten, beeindruckender Architektur und einer unvergleichlichen kulinarischen Kultur.

Bei unserer Anfahrt zum Memrut-Krater kreuzen Schafe unseren Weg.

Der Nemrut-Krater am Westufer des Vansees ist eine der faszinierendsten Naturlandschaften Ostanatoliens, die wir uns natürlich ansehen. Der Krater hat einen Durchmesser von etwa 7 bis 8 km und ist von Kraterrändern umgeben, die bis zu 2.900 m hoch aufragen. Da kraxeln wir uns mit dem Fahrzeug hoch. Dann geht es runter in den Krater. Dort erwartet uns ein sichelförmiger, kristallklarer Süßwassersee im westlichen Teil der Kaldera. Er liegt auf rund 2.247 m Höhe.

Ein kurzer Stopp am Kratersee und Zusammentreffen mit anderen Reisefreunden aus der Gruppe.

In dieser Gegend am Nemrut-Krater soll es Bären geben.

Bei heutigen Temperaturen bis 35°C geht es vorbei an alten Steinbrücken.

Die Salzgewinnung in Ost- und Südostanatolien besitzt eine Jahrtausende alte Tradition, die bis in die Zeit des Königreichs Urartu (ca. 8. Jahrhundert v. Chr.) zurückreicht. Aufgrund der spezifischen Geologie der Region - geprägt von ausgetrockneten Urzeitmeeren, tektonischen Verwerfungen und vulkanischer Aktivität - basiert die Salzförderung im östlichen Hochland.

Am Straßenrand wir Salz zum Kauf angeboten und in großen Mengen auf Kleinlaster verladen.

Auch der Tabakanbau in Ostanatolien sowie in den angrenzenden Übergangsregionen Südostanatoliens besitzt eine lange, tief verwurzelte Tradition. Der regionale Tabak unterscheidet sich in Anbau, Verarbeitung und Nutzung deutlich von der industriellen Massenware der westlichen Konzerne. Die extremen Temperaturunterschiede zwischen heißen Sommertagen und kühlen Nächten sowie die mineralreichen Böden im Hochland erzeugen kleinblättrige, feinaromatische Tabaksorten.

Im Gegensatz zu maschinell getrockneten Sorten werden die von Hand geernteten Tabakblätter auf langen Schnüren aufgereiht und im Hochlandsommer direkt unter der Sonne getrocknet.

Kurz vor unserem Tagesziel sehen wir uns die aus dem Jahre 1147 stammende Steinbrücke in Malabadi an. Mit einer lichten Weite des Hauptbogens von über 28 m galt sie jahrhundertelang als die am weitesten gespannte Steinbogenbrücke der Welt.

Der Ilisu-Damm ist das zweitgrößte Staudammbauwerk der Türkei und Teil des gigantischen Südostanatolien-Projekts (GAP). Es dient der Wasserkraftgewinnung (1.200 Megawatt Leistung zur Stromerzeugung) und Regulierung des Tigris-Flusses. Die Flutung des Stausees begann im Sommer 2019. Bis Mitte 2020 erreichte der Wasserspiegel das Niveau, das die historische Altstadt von Hasankeyf und Dutzende umliegende Dörfer im Tigristal vollständig überflutete.

Unser Stellplatz befindet sich in Hasankeyf, in Sichtweite des Tigris.

Zum zweiten Frühstück gibt es Torte in geselliger Runde. Wir haben Zeit, denn unsere heutige Tagesetappe beträgt nicht einmal 100 km. So können wir auch mal durchatmen, doch bei weiterhin hohen Temperaturen Jenseits der gut 30°C ist selbst das schwer. 

Aktueller Standort am 21.09.2026

Doch bevor wir den Stellplatz in Hasankeyf verlassen, wird der Frischwassertank aufgefüllt.

Midyat ist eine geschichts- und kulturreiche Stadt in der Südostprovinz Mardin und gilt als das kulturelle Herzstück des Kalksteingebirges Tur Abdin („Berg der Knechte Gottes“).

Die Häuser zeugen hier mit ihren reichen Verzierungen von einer interessanten ockerfarbenen Kalksteinarchitektur.

Midyat ist landesweit berühmt für die Telkari-Technik – ein hochspezialisiertes Kunsthandwerk, bei dem feine Silberdrähte zu filigranem Schmuck geflochten und verarbeitet werden.

Beim Bummel durch die Stadt werden uns überall die natürlich gefärbten Mandeln zum Probieren (und natürlich auch zum Kauf) angeboten.

Blick über die Stadt Midyat.

Der ockerfarbene Kalkstein mit extrem feinen Steinmetzarbeiten, Bögen und ausladenden Terrassen begegnet uns hier überall.

Schon oft haben wir Pistazien gegessen, doch wie sie wachsen haben wir bisher noch nicht gesehen. 

Wenn in der Region um das Dorf Yayvantepe von einer Klosteranlage gesprochen wird, handelt es sich um das bedeutende syrisch-orthodoxe Kloster Mor Gabriel. Mor Gabriel wurde im Jahr 397 n. Chr. von den Mönchen Samuel und Simeon gegründet. Es gehört zu den ältesten durchgehend aktiven christlichen Klöstern der Welt. Es bildet das spirituelle und administrative Zentrum der syrisch-orthodoxen Kirche im Gebirge Tur Abdin und dient als Sitz des Metropoliten.

All diese vorgenannten Informationen schüttelt Levent so aus dem Ärmel. Er ist ein echter Fachmann.

Das gepflegte Kloster ist für Besucher geöffnet; Rundgänge finden in der Regel mit lokal ausgebildeten, aramäischen Führern statt, doch wir haben ja unseren Levent immer an unserer Seite.

Dieses Kloster verbindet Geschichte, Architektur und lebendige Kultur.

Mardin ist eine der faszinierendsten Städte Südostanatoliens. Auf einem Bergkamm hoch über den weiten Ebenen Mesopotamiens gelegen, fasziniert die Stadt durch ihre einmalige Terrassenarchitektur, ihre jahrtausendealte Geschichte und ein harmonisches Zusammenleben verschiedener Kulturen und Religionen. Von unserem Stellplatz machen wir uns schweißtreibend auf den Weg in die Oberstadt.

In Mardin haben wir einen sehr einfachen und engen, aber günstig gelegenen Stellplatz.

Die Geschäfte öffnen sich für ihre Besucher und Touristen. Hier ein Blick in einen geordneten Tee- und Nüsseladen …

… und hier bekommt man praktisch alles.

Auch die Moschee des Städtchens schauen wir uns an und werden durch Levent, sitzend auf dem dicken Teppich, über religiöse Besonderheiten und das Beten informiert.

Am Abend sitzen wir in geselliger Runde am Stellplatz bei hochsommerlichen Temperaturen noch lange zusammen und feiern unser Bergfest. Denn heute haben wir die Hälfte unserer Tour hinter uns.

Von Mardin aus machen wir heute einen kleinen Abstecher und besuchen die geschichtsträchtige Stätte Dara. Die historische Felsen- und Antikstadt Dara-Anastasiupolis liegt rund 30 km südöstlich von Mardin nahe der syrischen Grenze. Sie gehört zu den beeindruckendsten archäologischen Stätten Obermesopotamiens und wird aufgrund ihrer monumentalen Felsenarchitektur oft als das „Ephasus oder Petra Südostanatoliens“ bezeichnet.

Neben einzelnen Felsengräbern und Sarkophagen befindet sich hier ein spektakuläres Großes Kolumbarium (Massengrab) über drei Etagen, in dem nach Überlieferungen Tausende Knochen von Soldaten aus den Perserkriegen ruhten.

Danach machen wir uns auf eine ca. 250 km lange unspektakuläre Etappe immer Richtung Westen, nahe der Syrischen Grenze.

Und was nicht auf den Esel passt, wird im, am oder auf dem Auto schon irgendwie passend gemacht.

Stadtplan des alten Harran.

Harran ist einer der ältesten kontinuierlich bewohnten Orte der Welt und liegt rund 44 km südlich von Sanliurfa nahe der syrischen Grenze. Ein Bus bringt uns heute dorthin. Das antike Handelsknotenkreuz in Obermesopotamien fasziniert durch seine jahrtausendealte Geschichte und eine Architektur, die weltweit ihresgleichen sucht.

In der Antike war die Stadt das Hauptheiligtum des semitischen Mondgottes Sin.

Heutzutage wird in Harran Tourismus großgeschrieben. Die Dromedare warten darauf, von Touristen geritten zu werden. Das ist wie bei uns das Ponyreiten.

Und so sieht es aus, wenn zahlungskräftige Touristen aus der ganzen Welt, in traditionelle Kleidung gehüllt, eine Runde drehen.

Uns interessierten allerdings die Trullihäuser viel mehr.

Die kegelförmigen Lehmziegelhäuser sind das Markenzeichen Harrans. Sie wurden ohne Holz erbaut - ausschließlich aus Mörtel, Lehm und antiken Spoliengesteinen. Durch die Kuppelform und das dicke Lehmgemäuer bleibt das Innere der Häuser im glühend heißen Sommer (hier kann es bis zu 50°C werden) angenehm kühl und speichert im Winter die Wärme. Harran wird bereits im Alten Testament erwähnt als der Ort, an dem der Patriarch Abraham mit seiner Familie lebte, bevor er nach Kanaan zog.

Einige der traditionellen Bienenkorbhäuser sind als Museum zugänglich. Dort könnten wir in traditionelle Gewänder schlüpfen, was wir allerdings nicht machten. Aber wir genießen einen regionalen Tee im schattigen Innenhof der Gesamtanlage.

In Harran werden wir von einem Erdbeben überrascht. Es hat die Stärke von 5,3. Die Erde bebt und die Flaschen im Regal vibrieren, fallen aber zum Glück nicht heraus. 

Nach offiziellen Angaben der türkischen Katastrophenschutzbehörde AFAD und der lokalen Behörden gab es keine Verletzten und keine Gebäudeschäden wie im Jahr 2023. Die Erschütterungen führten vor Ort zwar kurzzeitig zu Aufregung, das öffentliche Leben und die Infrastruktur – inklusive Flug- und Fernbusverbindungen – laufen jedoch uneingeschränkt weiter. Schulen wurden in der Region jedoch geschlossen. Das verheerende Katastrophenbeben im türkisch-syrischen Grenzgebiet, genau in der Gegend wo wir nun sind, ereignete sich am 6. Februar 2023 und gilt als eine der schwersten Naturkatastrophen in der Region seit Jahrhunderten.

In den großen Geschäften und Malls bekommt man alles zu kaufen. Selbst Alkohol gibt es in lizensierten Geschäften in großer Auswahl.

Rege Bautätigkeit in der Türkei: Gefühlt sind (insbesondere in den Städten, wie hier in Adiyaman) 80% der Häuser nicht älter als 10 Jahre. Die Bauweise unterscheidet sich jedoch von den Gebäuden in Deutschland. Wegen des Erdbebenrisikos werden die Gebäude in einer Stahlbeton-Skelettbauweise errichtet und die Ausmauerung erfolgt meist mit Bimssteinen. 

Der Atatürk-Staudamm: Das gigantische Herzstück Südostanatoliens. Er gehört zu den eindrucksvollsten Bauwerken der Türkei: Der Atatürk-Staudamm (Atatürk Barajı) staut den mächtigen Euphrat in den Provinzen Sanliurfa und Adıyaman und ist das Herzstück des ehrgeizigen Südostanatolien-Projekts (GAP). Der Steinschüttdamm ist 169 Meter hoch und erstreckt sich über eine Länge von mehr als 1,8 Kilometern. Befahren können wir ihn nicht, wohl aber aus einer guten Perspektive sehen.

Das angeschlossene Wasserkraftwerk des Atatürk-Staudamms produziert sauberen Strom für Millionen Haushalte, während die riesigen Kanäle die einst trockene Ebene von Harran in fruchtbares Agrarland verwandeln.

Nach dem Damm nimmt der Euphrat wieder seinen Lauf. Er ist mit einer Länge von rund 2.730 km der längste Fluss Vorderasiens und die historische Lebensader Mesopotamiens.

Hinter jeder Kurve zeigt sich der gigantische Stausee. Mit einer Fläche von rund 817 km² ist der See fast doppelt so groß wie der Bodensee.

Es geht vorbei an großen Tabakfeldern und endlosen Pistazienplantagen.

Wir fahren nach Navigation von Organic Maps und orientieren uns aber auch an der Ausschilderung unseres Tagesziel, den Nemrut Dagi (Nemrut Berg).

Das ist unsere Strecke am 24.09.2026. Von Sanliurfa nach Harran und zurück fahren wir mit einem Bus und dann steigen wir wieder in unser Mobile um am Atatürk-Staudamm vorbei zu unserem Tagesziel Nemrut Dagi zu kommen. Hier bleiben wir zwei Tage.

Kurz vor dem Nemrut Dagi, zu dem wir morgen hoch wollen, beziehen wir einen Hotelparkplatz und können dort auch am Abend an einem landestypischen Buffet teilnehmen.

Es verspricht wieder einmal ein sonniger Tag zu werden. In den nächsten Tagen ist es zum Glück nicht mehr ganz so heiß. Diese hohen Temperaturen haben wir nicht erwartet, wir hofften, in einen schönen Herbst zu kommen.

Zum Frühstück gibt es heute die türkische Variante von Nutella. Jedoch hat diese Nusscreme 45% Nussanteil. Vergleich es mal mit Nutella. 

Der Nemrut Dagi (2.134 m) ist eine der faszinierendsten historischen Stätten der Türkei und gehört seit 1987 zum UNESCO-Weltkulturerbe. Nemrut Dagi ist vor allem für die gigantischen Statuenköpfe und das riesige Heiligtum von König Antiochos I. Theos von Kommagene bekannt. Auf dem Gipfel ließ König Antiochos I. (ca. 69–34 v. Chr.) einen riesigen Grabhügel (Tumulus) aus Kies aufschütten, umgeben von monumental gestalteten Terrassen mit Statuen von sich selbst sowie griechischen und persischen Göttern.

Zwei Kleinbusse bringen uns heute die knapp 10 km lange Strecke vom Hotel-Stellplatz zum Nemrut Dagi hinauf. Doch die letzten 800 m geht es zu Fuß steil bergauf.

Oben erwarten uns gigantischen Statuenköpfe, die bereits v. Chr. dort oben aus dem vorhandenen Felsmaterial geschlagen wurden. 

Von dem 2.134 m hohen Berg haben wir eine weite Sicht auf das östliche Taurusgebirge.

Fahrtbesprechung für den nächsten Tag. Klar ist auf jeden Fall, wir fahren nicht im Konvoi. Doch es gibt mehrere Routen. Wir entscheiden morgen, welche wir nehmen.

Wir verlassen Südostanatolien und kommen nach Zentralanatolien. Hier geht es zur nächsten Region auf unserer Türkeitour:

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© Uwe und Anita on Tour