Zentralanatolien
Von Nemrut Dagi über Kahta, Adiyman, Malatya, Gürün, Pinarbasi, Kayseri, Göreme, Aksaray, Sultanhani, Konya und Alcabel bis nach Manavgat.
Zentralanatolien ist das historische und geografische Zentrum des Landes. Geprägt von weiten Steppen, beeindruckenden Vulkanlandschaften und einer langen Geschichte, die von den Hethitern bis zum modernen türkischen Staat reicht, ist diese Region das kulturelle Fundament der Türkei.
Die Kraftstoffpreise sind auch in der Türkei angezogen und schwanken von Tankstelle zu Tankstelle, genau wie in Deutschland. Um qualitativ hochwertigen Diesel (Motorin) zu bekommen, haben wir uns inzwischen auf Shell V-Power festgelegt. Der kostet aktuell 95,50 TL, das sind umgerechnet 1,71 Euro. Benzin ist bei Shell für 1,48 Euro zu bekommen. Türkische Tankstellen sind in der Regel günstiger.
Die D300 ist 4-spurig ausgebaut. Sie führt durch eine wenig besiedelte und recht karge Landschaft.
Kappadokien
Kappadokien im zentralanatolischen Hochland zählt zu den faszinierendsten Natur- und Kulturlandschaften der Erde. Die Region besticht durch vulkanische Felsformationen, frühchristliche Höhlenkirchen und eine außergewöhnliche Untertage-Architektur. Dementsprechend hoch ist hier (leider) die Touristendichte, was uns nicht so gut gefällt. Aus aller Herrenländer, vor allen Dingen aus Fernost, reisen die Touristen an. Vor Millionen Jahren bedeckten Vulkanasche und Lava die Region mit Tuffgestein. Durch Erosion von Wind und Wasser entstanden die charakteristischen kegel- und pilzförmigen Felsformationen. Das weiche Gestein ließ sich leicht aushöhlen, wodurch Häuser, Ställe, Kirchen und ganze Städte direkt in den Felsen gehauen wurden. Seit 1985 ist der Nationalpark Göreme und die Felsenlandschaft Kappadokiens offiziell als UNESCO-Weltkultur- und -naturerbe eingetragen und ist echt sehenswert.
Das Göreme-Freilichtmuseum bildet das Herzstück des UNESCO-Weltkulturerbes in Kappadokien. Die imposante Felsenlandschaft beherbergt ein einstiges byzantinisches Klosterzentrum mit zahllosen in den weichen Tuffstein gehauenen ausgemalten Felsenkirchen, Kapellen, Speisesälen und Mönchszellen aus dem 10. bis 12. Jahrhundert.
… aber die einzigartige Landschaft ist wirklich fantastisch.
Die Region hat auch unterirdisch einiges zu bieten. Die Untertage-Architektur in Kappadokien ist ein Ingenieur- und Kulturphänomen, das weltweit seinesgleichen sucht. Über Jahrhunderte hinweg grub die Bevölkerung komplexe, mehrstöckige Höhlensysteme in das weiche Tuffgestein, um sich vor Invasoren, Plünderungen und extremen Wetterbedingungen zu schützen.
Eine Tanzaufführung der Derwische (bekannt als Sema-Zeremonie) gehört zu den faszinierendsten kulturellen und spirituellen Erlebnissen in der Türkei, die wir uns am späten Nachmittag ansehen. Die Aufführung ist kein reines Show-Tanzspektakel, sondern ein religiöses Ritual des Sufismus, das im 13. Jahrhundert vom Gelehrten Mevlana Celaleddin Rumi begründet wurde.
Kappadokien ist für seine Heißluftballonfahrten weltbekannt. Das wollten wir uns natürlich auch nicht entgehen lassen und buchten bereits im Vorfeld eine solche Fahrt. Nun kommt ein „schade“, denn die Luftfahrtbehörde, die solche Fahrten (es heißt nicht Flüge) freigeben muss, versagte aus wettertechnischen Gründen für die gesamte Woche die Starts. Es ist einfach zu windig, aber Sicherheit geht nun einmal vor.
Doch Kappadokien hat mehr zu bieten als spektakuläre Landschaften, Tanzaufführungen der Derwische, traditionelles Essen und Ballonfahrten. Diese Region ist auch bekannt für hochwertige handgeknüpfte Teppiche. Das Teppichknüpfen gehört zu den ältesten und traditionsreichsten Kunsthandwerken Anatoliens und stellt ein zentrales Element der Kultur dar. So haben wir heute die Möglichkeit, uns eine Teppich-Kooperative anzusehen.
Traditionelle Teppiche werden mit Pflanzen- und Mineralfarben gefärbt und jedes Muster wird nur ein einziges Mal hergestellt.
Allmählich verlassen wir Kappadokien „das Land der schönen Pferde“ und setzen unsere Fahrt weiter Richtung Westen fort.
Die Ihlara-Schlucht, ganz im Südwesten Kappadokiens ist eine atemberaubende, bis zu 150 Meter tiefe Canon-Landschaft, die vom Fluss Melendiz geformt wurde. Auf einer Länge von rund 15 Kilometern verbindet sie beeindruckende Natur mit faszinierender Höhlenarchitektur. Wir sehen uns den Cayon allerdings nur von oben an und durchwandern ihn nicht, auch beeindruckend.
Heute verlassen wir mal die 4-spurig gut ausgebaute D300 und fahren ein Stück über Land.
„Gemeinde Yuva – Herzlich Willkommen“. In der Türkei erhielten größere Dörfer früher den Status einer eigenen Gemeindeverwaltung. Auch wenn viele dieser kleineren Orte im Zuge von Verwaltungsreformen wieder zu Dörfern herabgestuft wurden, stehen die charakteristischen Willkommenstore an den Ortszufahrten oft bis heute.
Übrigens hat Mercedes ein großes Werk in Aksaray. Es ist eines der wichtigsten Industriestandorte in Zentralanatolien und ein zentraler Pfeiler der türkischen Automobilindustrie. Das Werk wurde 1986 eröffnet und ist die Hauptproduktionsstätte für schwere Lkw (wie die Modelle Actros, Atego und Arocs) von Mercedes-Benz Trucks in der Türkei. Ein Großteil der in Aksaray gefertigten, etwa 22.000 Fahrzeuge, geht in den Export nach Europa und in den Nahen Osten.
Die Sultanhani Karavanserai aus dem Jahre 1229 liegt etwa 40 Kilometer westlich von Aksaray an der historischen Seidenstraße. Sie ist die größte und am besten erhaltene seldschukische Karawanserei in der Türkei und ein Meisterwerk der islamischen Architektur des Mittelalters. Karawansereien dienten als befestigte Raststätten entlang der Handelsrouten. Kaufleute, Reisende und ihre Tiere erhielten dort für bis zu drei Tage freien Schutz, Verpflegung und Unterkunft. Heute ist diese Karavanserai für Touristen wie uns geöffnet.
Die Karavanseraien boten Schutz und Komfort.
Oktober 2026
Direkt hinter dem Hotel befindet sich ein geologisches Naturwunder: Die Kizören-Doline. Sie hat einen Durchmesser von über 180 Metern und fällt rund 140 Meter tief ab (der Wasserstand schwankt je nach Jahreszeit). Sie entstand durch Verkarstung. Unterirdische Hohlräume im Kalkstein lösten sich durch Grundwasser auf, bis die Decke des Höhlensystems einstürzte und diesen tiefen Einsturzkrater bildete.
Konya ist eine der ältesten kontinuierlich besiedelten Städte Anatoliens, das spirituelle Zentrum des Sufismus und eine wichtige Metropole an der historischen Seidenstraße. Die 1,5 Mio. Einwohner zählende Stadt liegt auf rund 1.000 m über NN am Rande der großen anatolischen Hochebene. Das Mausoleum von Rumi mit dem markanten grünen Kachelturm ist das Wahrzeichen der Stadt und eine der wichtigsten Wallfahrtsstätten der Türkei. Das sehen wir uns natürlich an.
Da kann doch was nicht passen - oder? Doch: in der Spätphase des Osmanischen Reiches (und bei Geburtseinträgen von vor 1926 lebenden Personen) war die Angabe nach dem Rumi-Kalender auf türkischen Dokumenten und Grabsteinen Standard. Das Sterbedatum wurde hier nach dem unsrigen gregorianischen Kalender aufgeführt. Übrigens werden die Menschen auch heute noch in ein Leinentuch gehüllt, seitlich liegend, mit dem Blick nach Mekka beerdigt, so berichtet Levent.
Auf dieser nicht wirklich viel befahrenen, aber recht kurvenreichen Strecke sind einige LKW unterwegs. Uns fällt immer wieder auf, dass das Thema „Ladungssicherung“ in der Türkei absolut keine Rolle spielt. Dieser mit Bimssteinen beladene LKW hat nicht einmal die oberen Steinpakete mit Gurten gesichert. Das ist aber hier so üblich.
Damit lassen wir Zentralanatolien hinter uns und kommen zur nächsten Region auf unserer Türkeitour: