Zentralanatolien

Von Nemrut Dagi über Kahta, Adiyman, Malatya, Gürün, Pinarbasi, Kayseri, Göreme, Aksaray, Sultanhani, Konya und Alcabel bis nach Manavgat.

Zentralanatolien 

Zentralanatolien ist das historische und geografische Zentrum des Landes. Geprägt von weiten Steppen, beeindruckenden Vulkanlandschaften und einer langen Geschichte, die von den Hethitern bis zum modernen türkischen Staat reicht, ist diese Region das kulturelle Fundament der Türkei.

Das ist mal ein Arbeitsplatz von dem man gerne die Homepage bearbeitet.

Wir haben Vollmond und sitzen noch lange draußen.

Es kommt oft vor, dass Tiere unseren Weg kreuzen. Manchmal sind sie, wie hier auch durch Hirten begleitet, meistens jedoch alleine.

Solch karge Landschaften finden wir zum Bereisen echt schön. Doch wohnen möchten wir hier nicht.

Die Cendere-Brücke in der Nähe von Kahta zählt zu den am besten erhaltenen römischen Bogenbrücken der Welt. Sie überspannt den Fluss Cendere Cayi in einer beeindruckenden Schlucht nahe dem Fuß des Berges Nemrut. Sie wurde Ende des 2. Jhd. n. Chr. errichtet.

Die Kraftstoffpreise sind auch in der Türkei angezogen und schwanken von Tankstelle zu Tankstelle, genau wie in Deutschland. Um qualitativ hochwertigen Diesel (Motorin) zu bekommen, haben wir uns inzwischen auf Shell V-Power festgelegt. Der kostet aktuell 95,50 TL, das sind umgerechnet 1,71 Euro. Benzin ist bei Shell für 1,48 Euro zu bekommen. Türkische Tankstellen sind in der Regel günstiger.

Gestern war Samstag, da zieht es viele Türken raus in die Natur zum Grillen. An unserem Stellplatz in Gürün gab es viele von Einheimischen umlagerte Grillplätze. Die Freundlichkeit dieser Menschen kennt kaum Grenzen. Wir wurden mit hausgemachter Köfte und Yufka (papierartige Teigfladen) versorgt. 

An unserem Stellplatz in Gürün gab es einen kleinen See mit glasklarem leuchtend blauem Wasser.

Es geht weiter auf der D300 immer Richtung Westen. Dabei passieren wir den Mazikiran-Pass auf 1.801 m über NN.

Die D300 ist 4-spurig ausgebaut. Sie führt durch eine wenig besiedelte und recht karge Landschaft.

Auf Radarkontrollen, die immer vorher angezeigt werden, haben wir sowohl in der Stadt als auch auf den Überlandstraßen zu achten. Heute gab es gleich drei solcher Radarkontrollen innerhalb von etwa 5 km.

Unsere heutige Etappe führt uns über etwa 250 km immer Richtung Westen bis nach Kappadokien.

Für die nächsten drei Tage sind wir auf dem Campingplatz Kaya in Göreme, so praktisch in der Mitte der Türkei. Die Tage werden mit einigen Programmpunkten ausgefüllt sein. Doch dazu später mehr.

Kappadokien

Kappadokien im zentralanatolischen Hochland zählt zu den faszinierendsten Natur- und Kulturlandschaften der Erde. Die Region besticht durch vulkanische Felsformationen, frühchristliche Höhlenkirchen und eine außergewöhnliche Untertage-Architektur. Dementsprechend hoch ist hier (leider) die Touristendichte, was uns nicht so gut gefällt. Aus aller Herrenländer, vor allen Dingen aus Fernost, reisen die Touristen an. Vor Millionen Jahren bedeckten Vulkanasche und Lava die Region mit Tuffgestein. Durch Erosion von Wind und Wasser entstanden die charakteristischen kegel- und pilzförmigen Felsformationen. Das weiche Gestein ließ sich leicht aushöhlen, wodurch Häuser, Ställe, Kirchen und ganze Städte direkt in den Felsen gehauen wurden. Seit 1985 ist der Nationalpark Göreme und die Felsenlandschaft Kappadokiens offiziell als UNESCO-Weltkultur- und -naturerbe eingetragen und ist echt sehenswert.

Natürlich lassen wir uns diese Region nicht entgehen.

Zunächst besuchen wir das Freilichtmuseum.

Das Göreme-Freilichtmuseum bildet das Herzstück des UNESCO-Weltkulturerbes in Kappadokien. Die imposante Felsenlandschaft beherbergt ein einstiges byzantinisches Klosterzentrum mit zahllosen in den weichen Tuffstein gehauenen ausgemalten Felsenkirchen, Kapellen, Speisesälen und Mönchszellen aus dem 10. bis 12. Jahrhundert.

Nein, wir sind hier nicht alleine …

… aber die einzigartige Landschaft ist wirklich fantastisch.

Die Region hat auch unterirdisch einiges zu bieten. Die Untertage-Architektur in Kappadokien ist ein Ingenieur- und Kulturphänomen, das weltweit seinesgleichen sucht. Über Jahrhunderte hinweg grub die Bevölkerung komplexe, mehrstöckige Höhlensysteme in das weiche Tuffgestein, um sich vor Invasoren, Plünderungen und extremen Wetterbedingungen zu schützen.

Die unterirdischen Städte mit weitverzweigten Gängen und ein ausgeklügeltes Belüftungssystem dienten nicht als ständige Wohnsitze, sondern als temporäre Zufluchtsorte bei Belagerungen, z. B. während der Arabisch-Byzantinischen Kriege.

Die Anlagen umfassten Wohnräume, Ställe für Vieh, Vorratslager, Keltereien für Wein, Großküchen, Ölpressen sowie Kirchen und Versammlungsräume. Sich all das anzusehen, beeindruckt uns schon sehr.

Wir tauchen aus dem Untergrund wieder auf und lassen uns von den Felsformationen der Region erneut begeistern. Ostasiatische Schönheiten lassen sich gerne vor solch einem Hintergrund ablichten. 

Die Formation (Die drei Schönen) besteht aus drei eng zusammenstehenden Felsnadeln mit markanten „Hüten“ aus dunklem, härterem Basaltgestein. Sie gelten als das bekannteste Symbol und eines der meistfotografierten Postkartenmotive der gesamten Region.

Eine Tanzaufführung der Derwische (bekannt als Sema-Zeremonie) gehört zu den faszinierendsten kulturellen und spirituellen Erlebnissen in der Türkei, die wir uns am späten Nachmittag ansehen. Die Aufführung ist kein reines Show-Tanzspektakel, sondern ein religiöses Ritual des Sufismus, das im 13. Jahrhundert vom Gelehrten Mevlana Celaleddin Rumi begründet wurde.

Während der eigentlichen etwa 45-minütigen Zeremonie war das Fotografieren, Filmen und Klatschen strikt untersagt, um die meditative Atmosphäre nicht zu stören. Ganz am Ende gaben die Derwische jedoch eine kurze Demonstration für Fotos.

Am Abend fahren wir gemeinsam mit dem Bus zu einem netten Lokal, wo wir in geselliger Runde ein Gruppenessen genießen.

Zwischen Vor- und Nachspeise gab es fünf traditionelle Hauptgerichte zur Auswahl, eines davon wurde sogar brennend serviert. 

Bei der Rückfahrt vom Restaurant kamen wir am Freilichtmuseum vorbei, welches wir am Vormittag besuchten. Nun ist es beleuchtet und stahlt eine interessante Atmosphäre aus. 

Kappadokien ist für seine Heißluftballonfahrten weltbekannt. Das wollten wir uns natürlich auch nicht entgehen lassen und buchten bereits im Vorfeld eine solche Fahrt. Nun kommt ein „schade“, denn die Luftfahrtbehörde, die solche Fahrten (es heißt nicht Flüge) freigeben muss, versagte aus wettertechnischen Gründen für die gesamte Woche die Starts. Es ist einfach zu windig, aber Sicherheit geht nun einmal vor. 

So können wir uns lediglich an den hübschen Magneten, die überall verkauft werden, erfreuen.

Doch Kappadokien hat mehr zu bieten als spektakuläre Landschaften, Tanzaufführungen der Derwische, traditionelles Essen und Ballonfahrten. Diese Region ist auch bekannt für hochwertige handgeknüpfte Teppiche. Das Teppichknüpfen gehört zu den ältesten und traditionsreichsten Kunsthandwerken Anatoliens und stellt ein zentrales Element der Kultur dar. So haben wir heute die Möglichkeit, uns eine Teppich-Kooperative anzusehen.

Es wird uns erklärt und gezeigt, dass im Gegensatz zum persischen Einzelknoten nach anatolischer Tradition der Faden um zwei Kettenfäden geschlungen wird. Das macht die klassischen türkischen Teppiche extrem langlebig und strapazierfähig.

Besonders beeindruckend war die Vorführung, wie aus einem Kokon hauchdünne Naturseide gewonnen wird.

Traditionelle Teppiche werden mit Pflanzen- und Mineralfarben gefärbt und jedes Muster wird nur ein einziges Mal hergestellt.

Bei Kaffee und Tee bekommen wir die Teppiche fachkundig erklärt und versiert vorgeführt.

Allmählich verlassen wir Kappadokien „das Land der schönen Pferde“ und setzen unsere Fahrt weiter Richtung Westen fort.

Es dauert nicht lange und wir sichten die erste Radarkontrolle. Die Fahrzeuge stehen immer sehr offensichtlich, doch wenn man sich die Gegend ansieht, ist es schnell passiert. Doch wir fahren meistens sehr verhalten, wir sind ja nicht mit „Hetzer-Reisen“ unterwegs.

Die Ihlara-Schlucht, ganz im Südwesten Kappadokiens ist eine atemberaubende, bis zu 150 Meter tiefe Canon-Landschaft, die vom Fluss Melendiz geformt wurde. Auf einer Länge von rund 15 Kilometern verbindet sie beeindruckende Natur mit faszinierender Höhlenarchitektur. Wir sehen uns den Cayon allerdings nur von oben an und durchwandern ihn nicht, auch beeindruckend.

Heute verlassen wir mal die 4-spurig gut ausgebaute D300 und fahren ein Stück über Land.

Immer wieder sehen wir, selbst in den kleinsten Ortschaften, bunte Kinderspielplätze. 

In einem kleinen Dorfladen kaufen wir frisches Brot, welches hier Ekmek heißt. Umgerechnet zahlen wir 0,26 Euro. Dafür bekommen wir bei uns nicht einmal ein einfaches Brötchen.

„Gemeinde Yuva – Herzlich Willkommen“. In der Türkei erhielten größere Dörfer früher den Status einer eigenen Gemeindeverwaltung. Auch wenn viele dieser kleineren Orte im Zuge von Verwaltungsreformen wieder zu Dörfern herabgestuft wurden, stehen die charakteristischen Willkommenstore an den Ortszufahrten oft bis heute.

Aber in Yuva wird es recht eng.

Ein Stückchen weiter wird es noch schwieriger. Aber da müssen wir auf jeden Fall durch.

In Aksaray haben wir wieder Asphalt unter den Rädern und sehen uns dort eine hübsche Moschee an.

Übrigens hat Mercedes ein großes Werk in Aksaray. Es ist eines der wichtigsten Industriestandorte in Zentralanatolien und ein zentraler Pfeiler der türkischen Automobilindustrie. Das Werk wurde 1986 eröffnet und ist die Hauptproduktionsstätte für schwere Lkw (wie die Modelle Actros, Atego und Arocs) von Mercedes-Benz Trucks in der Türkei. Ein Großteil der in Aksaray gefertigten, etwa 22.000 Fahrzeuge, geht in den Export nach Europa und in den Nahen Osten.

Unter der bekannten fachkundigen Führung von Levent sehen wir uns in Sultanhani die dortige Karavanserai an. 

Die Sultanhani Karavanserai aus dem Jahre 1229 liegt etwa 40 Kilometer westlich von Aksaray an der historischen Seidenstraße. Sie ist die größte und am besten erhaltene seldschukische Karawanserei in der Türkei und ein Meisterwerk der islamischen Architektur des Mittelalters. Karawansereien dienten als befestigte Raststätten entlang der Handelsrouten. Kaufleute, Reisende und ihre Tiere erhielten dort für bis zu drei Tage freien Schutz, Verpflegung und Unterkunft. Heute ist diese Karavanserai für Touristen wie uns geöffnet.

Mit ihren bis zu 13 Meter hohen Festungsmauern und wuchtigen Wachtürmen bot die Anlage Schutz vor Raubüberfällen in der Steppe.

Die Karavanseraien boten Schutz und Komfort.

Frauen zeigen die Kunst des Teppichknüpfens in der Sultanhani Karavanserai. 

Hier sind auch zahlreiche antike Teppiche ausgestellt.

Oktober 2026

Eine damalige Tagesreise weiter, etwa 40 km entfernt, steht die nächste Karavanserai Obruk. Sie ist heute als Hotel ausgebaut.

Direkt hinter dem Hotel befindet sich ein geologisches Naturwunder: Die Kizören-Doline. Sie hat einen Durchmesser von über 180 Metern und fällt rund 140 Meter tief ab (der Wasserstand schwankt je nach Jahreszeit). Sie entstand durch Verkarstung. Unterirdische Hohlräume im Kalkstein lösten sich durch Grundwasser auf, bis die Decke des Höhlensystems einstürzte und diesen tiefen Einsturzkrater bildete.

So richtig klar ist uns hier nicht wie schnell wir fahren dürfen. In den meisten Ortschaftaften und Städten gilt jedoch eine max. Geschwindigkeit von 82 km/h. Wie man nur auf 82 km/h kommt bleibt uns unerschlossen.

Konya ist eine der ältesten kontinuierlich besiedelten Städte Anatoliens, das spirituelle Zentrum des Sufismus und eine wichtige Metropole an der historischen Seidenstraße. Die 1,5 Mio. Einwohner zählende Stadt liegt auf rund 1.000 m über NN am Rande der großen anatolischen Hochebene. Das Mausoleum von Rumi mit dem markanten grünen Kachelturm ist das Wahrzeichen der Stadt und eine der wichtigsten Wallfahrtsstätten der Türkei. Das sehen wir uns natürlich an.

Diese Moschee das direkte Herzstück des Mevlevi-Zentrums in Konya, gleich neben dem Mausoleum von Mevlana Celaleddin Rumi.

Hier die reich verzierte Grabstätte von Mevlana Celaleddin Rumi, dem Begründer des Sufismus, unter der berühmten Grünen Kuppel. Ein Ort tiefer Spiritualität.

Tanzende Derwische im Mevlana-Museum in Konya zeigt die rituellen Drehungen der Sema-Zeremonie des Mevlevi-Ordens. Hier sind sie in Wachs nachgebildet, doch wir haben sie ja bereits in echt gesehen.

Auf dem Friedhof in Konya sehen wir Grabsteine mit dem Geburtsjahr (D) 1311 und mit dem Sterbedatum (Ö) 17.10.1971. 

Da kann doch was nicht passen - oder? Doch: in der Spätphase des Osmanischen Reiches (und bei Geburtseinträgen von vor 1926 lebenden Personen) war die Angabe nach dem Rumi-Kalender auf türkischen Dokumenten und Grabsteinen Standard. Das Sterbedatum wurde hier nach dem unsrigen gregorianischen Kalender aufgeführt. Übrigens werden die Menschen auch heute noch in ein Leinentuch gehüllt, seitlich liegend, mit dem Blick nach Mekka beerdigt, so berichtet Levent. 

Das Traditionsgericht von Konya ist das berühmte „Etli Ekmek“, ein meterlanges, sehr dünnes Fladenbrot, das im Holzofen gebacken und mit gewürztem Hackfleisch, Zwiebeln und Tomaten belegt wird. Übereinstimmend stellen wir fest, dass es echt gut schmeckt.

Es geht weiter Richtung Südwesten immer in Richtung Mittelmeer. Unsere Route führt uns von der zentralanatolischen Hochebene um Konya durch das malerische Taurusgebirge hinab an die türkische Riviera nach Manavgat.

Auf dieser nicht wirklich viel befahrenen, aber recht kurvenreichen Strecke sind einige LKW unterwegs. Uns fällt immer wieder auf, dass das Thema „Ladungssicherung“ in der Türkei absolut keine Rolle spielt. Dieser mit Bimssteinen beladene LKW hat nicht einmal die oberen Steinpakete mit Gurten gesichert. Das ist aber hier so üblich.

Höchster Punkt unserer heutigen Etappe: Überquerung des Taurusgebirges am Alacabel-Pass (1.825 m) auf der spektakulären Route von Zentralanatolien an die türkische Riviera.

Nun „rollen“ wir nur noch runter zum Mittelmeer, allerdings bei regnerischem Wetter. Mal sehen was die nächsten Tage so bringen.

Damit lassen wir Zentralanatolien hinter uns und kommen zur nächsten Region auf unserer Türkeitour:

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© Uwe und Anita on Tour